Sekten-Checkliste

Checklisten zur Beurteilung unbekannter Gruppen gibt es mehrere. Wer einmal kurz googelt, findet eine größere Auswahl. Auf manchen werden bestimmte Punkte mehr betont als andere – letztlich sind sich diese Checklisten aber recht ähnlich. Natürlich sind solche Checklisten nur für einen ersten Zugang geeignet, eine umfassende Einschätzung einer Gruppierung lassen sie nicht zu. Schon alleine deshalb, weil man im Erstkontakt mit einer unbekannten Gruppe gar keinen Überblick hat, um alle diese Punkte gut einschätzen zu können.

Im Zweifel ist es immer am besten, sich an Beratungsstellen zu wenden und nachzufragen. Am sinnvollsten ist dies möglichst lokal (zumindest Bundeslandbezogen gibt es in jedem deutschen Bundesland entsprechende Anlaufstellen), da die Beratungsstellen dann oft schon von der fraglichen Gruppe gehört haben und genauere Informationen geben können.

Hier findet ihr die secta.fm-Checkliste als Infografik. Unter der Grafik gibt es Links zu weiteren Checklisten sowie die secta.fm-Checkliste in Textform:

Sekten-Checkliste
16 Punkte, die eine Gruppe problematisch machen können. Grafiklizenz: secta.fm, CC-BY-NC-SA 3.0

Textform der Checkliste

Gruppen und Gemeinschaften können Halt und Sicherheit geben. In manchen Gruppen gibt es aber problematische Tendenzen, die letztendlich schädlich für die psychische und seelische Gesundheit eines Menschen sein können. Eine Checkliste schützt davor nicht – sie kann aber helfen, eine erste Einschätzung einer Gruppierung vorzunehmen. Schon wenn einer der folgenden Punkte zutrifft, sollte man ins Nachdenken kommen. Im Zweifel immer (am besten örtliche) Beratungsstellen kontaktieren: Oft haben diese von der entsprechenden Gruppe schon gehört und können das Gefahrenpotenzial einschätzen.

  1. Du bist beim ersten Kontakt mit der Gruppe sofort beeindruckt von der Gemeinschaft, der Liebe und Offenheit, die in der Gruppe praktiziert wird und mit der man dir begegnet. Man geht sofort auf dich zu und ist sehr nett zu dir
  2. Die Versprechen und Angebote der Gruppe passen erstaunlich genau auf das, was du suchst: z.B. Sinn, Geborgenheit, Liebe, Nähe, (spirituelle) Weiterentwicklung, Errettung, Reichtum oder Glück.
  3. Wenn sich der versprochene Erfolg nicht einstellt, bist du selbst schuld: Du hast nicht genug geglaubt oder die Methoden/Glaubenssätze der Gruppe angezweifelt.
  4. Die Gruppe liefert klare und eindeutige Antworten auf alle Fragen, die du hast: Es gibt nichts, was im Weltbild der Gruppe nicht erklärt werden könnte.
  5. Du fühlst dich nicht wohl, wenn du kritische Fragen zum Weltbild oder zur Organisation der Gruppe stellen möchtest. Zweifel an Glaubenssätzen oder am Weltbild der Gruppe werden als etwas Negatives dargestellt.
  6. Dir wird geraten, Kontakt zu Menschen zu meiden, die der Gruppe gegenüber negativ eingestellt sind. Auch wenn das Freunde und Familie sind.
  7. In der Gruppe denken alle sehr gleich. Es werden auch Begriffe, die du außerhalb der Gruppe nicht kanntest oder in einem anderen Kontext verwendet hast.
  8. In der Gruppe gibt es Mitglieder, über exklusives Wissen oder Erkenntnisse verfügen, für die du noch „nicht weit genug“ bist. Um weiter aufzusteigen, musst du z.B. Kurse oder Fortbildungen besuchen.
  9. Die Gruppenleitung (eine oder mehrere Personen) hat eine ganz besondere Stellung: Sie gilt als besonders erleuchtet oder hat einen „besonderen Zugang“ zu Gott und ist dadurch im Besitz der absoluten Wahrheit.
  10. Es gibt eine strenge Hierarchie in der Gruppe, die absoluten Gehorsam verlangt.
  11. Die Gruppe sieht sich als etwas ganz besonders: Die Welt außerhalb der Gruppe wird als schlecht angesehen und mit negativen Begriffen besetzt.
  12. Kritik von außerhalb an der Gruppe wird als Beweis dafür gedeutet, dass sie selbst auf dem richtigen Weg ist. Die Beschäftigung mit Kritik und Anfrage ist in der Gruppe kein Thema und den Mitgliedern wird vermittelt, sich am besten gar nicht erst mit Kritik oder kritischen Gedanken zu beschäftigen.
  13. Die Mitglieder kümmern sich mehr um die Gruppe als um ihre eigenen Interessen: Sie haben kaum Freizeit außerhalb der Gruppe und übernehmen sehr viele Aufgaben für die Gruppe (Verkauf von Medien, Werbung von Mitgliedern, Besuch von Kursen). Ein Privatleben außerhalb der Gruppe wird als unwichtig vermittelt.
  14. Es gibt strenge Regeln in der Gruppe, die nicht immer unbedingt explizit ausgesprochen werden, aber viele Bereiche des Lebens betreffen: Sexualität und Beziehungen, Ernährung, Kleidung, Tagesablauf.
  15. Wissenschaftliches Denken und wissenschaftliche Erkenntnisse werden in der Gruppe abgelehnt.
  16. Ich spüre Druck, wenn ich mich von der Gruppe lösen will. Man will mich auf jeden Fall überzeugen, in der Gruppe zu bleiben und sagt mir, dass ich ohne die Gruppe in der Welt „da draußen“ nicht zurechtkomme.

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