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Ku-Klux-Klan

Rassistischer Geheimbund, Massenbewegung, Splitterszene — und der christlich-identitäre Überbau des heutigen Klans

Gegründet
1865/66 (erste Phase); Neugründung 1915; seit den 1950er Jahren als Vielzahl unabhängiger Splittergruppen
Gründung durch
sechs Veteranen der konföderierten Armee, unter ihnen Nathan Bedford Forrest; Neugründung 1915 durch den Methodistenprediger William Joseph Simmons
Ursprung
Südstaaten der USA
Größe
heute je nach Schätzung rund 3.000 Mitglieder (Anti-Defamation League) bis 8.000–10.000 Anhänger (Southern Poverty Law Center), verteilt auf viele Kleingruppen; historischer Höchststand 1925 mit vier bis sechs Millionen
Auch bekannt als
Invisible Empire („Unsichtbares Imperium"), White Knights of the Ku Klux Klan, United Klans of America, Christian Identity

Der Ku-Klux-Klan ist keine religiöse Gemeinschaft im klassischen Sinn, sondern eine rassistische Bewegung, die in vielen ihrer heutigen Erscheinungsformen einen explizit christlichen — genauer: christlich-rassistischen — ideologischen Überbau trägt. Die folgende Darstellung zeichnet die drei historischen Phasen des Klans nach, beschreibt die heutige zersplitterte Landschaft der Klan-Gruppen einschließlich ihrer Ableger in Deutschland und analysiert die Ideologie der Christian Identity, auf die sich viele dieser Gruppen berufen. Grundlage sind eine an der Universität Graz entstandene Diplomarbeit zur Geschichte des Klans, ergänzende historische Quellen, Selbstdarstellungen heutiger Klan-Gruppen auf deren Webseiten, Zahlen des Southern Poverty Law Center und der Anti-Defamation League, Arbeiten des Politikwissenschaftlers Michael Barkun zur Christian Identity sowie für Deutschland das Buch „Die Kapuzenmänner. Der Ku-Klux-Klan in Deutschland“ von Frederik Obermaier und Tanjev Schultz.

Herkunft und Entstehung

Der Klan entsteht unmittelbar aus der Niederlage der Südstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg. Diesem Sezessionskrieg lagen tiefe wirtschaftliche und politische Spaltungen zugrunde: Der industrialisierte Norden mit rund 21 Millionen Einwohnern drängte auf die Abschaffung der Sklaverei; der Süden mit rund neun Millionen Einwohnern, davon fünf Millionen Weiße, lebte von einer Plantagenwirtschaft — Baumwolle, Tabak, Zuckerrohr, Erdnüsse —, die nur durch Sklavenarbeit rentabel war und deren Ende ein wirtschaftliches Fiasko bedeutet hätte. Die Wahl Abraham Lincolns 1860 — die Republikanische Partei war damals die sklavereikritische Kraft — führte zur Sezession: Die Südstaaten bildeten die Konföderierten Staaten von Amerika unter Jefferson Davis. Im Krieg setzte sich die demografische und wirtschaftliche Überlegenheit des Nordens durch; 1865 kapitulierte die Konföderation, der Krieg hatte über 600.000 Tote gefordert, und im selben Jahr wurde die Sklaverei im gesamten Staatsgebiet abgeschafft.

In dieser Situation gründeten sechs Veteranen der unterlegenen konföderierten Armee den Ku-Klux-Klan — als Motivlage lässt sich eine Mischung aus Nachkriegslangeweile und Frustration über die Niederlage annehmen. Das Gründungsdatum ist nicht gesichert: Der Klan selbst nennt häufig den symbolträchtigen 24. Dezember 1865, andere Quellen den 6. Mai 1866. Der Name verbindet das griechische kuklos („Kreis“, als Symbol der engen Gemeinschaft) mit dem an das Schottische angelehnten „Klan“. Unter den Gründern ragt Nathan Bedford Forrest heraus: vor dem Krieg millionenschwerer Sklavenhändler und Plantagenbesitzer, im Krieg General — und als solcher offenbar an einem Massaker an 250 schwarzen Kriegsgefangenen beteiligt, von denen einige gekreuzigt oder lebendig verbrannt wurden.

Geschichte und Entwicklung

Der erste Klan (1865/66 bis ca. 1875). Anfangs ritten die Mitglieder nach Einbruch der Dunkelheit maskiert durch Städte und Dörfer, um den freigelassenen Sklaven Angst einzujagen: Mit weißen Leintüchern über Reitern und Pferden und mit Tricks — versteckten Wasserbehältern, Kürbissen als scheinbar abnehmbaren Köpfen — inszenierten sie sich als Geister gefallener konföderierter Soldaten. Es ging zunächst weniger um physische Gewalt als um eine systematisch erzeugte Angstatmosphäre. Die Organisation wuchs schnell und gab sich 1867 eine Verfassung mit klarer Hierarchie: örtliche „Dens“, darüber Bezirks- und Staatsebenen („Realms“), zusammengefasst im „Invisible Empire“ unter einem Grand Wizard; die einfachen Mitglieder hießen „Ghouls“ und waren auf strikte Geheimhaltung verpflichtet. Erster Grand Wizard wurde Forrest.

Unter seiner Führung wurde der Klan zur Terrororganisation, die sich als selbsternannte Vollstreckerin des „rechtmäßigen Gesetzes“ verstand: Klansmänner bedrohten, vertrieben, verstümmelten und ermordeten Menschen, die in ihren Augen respektlos waren oder sich für die Rechte der Schwarzen engagierten. Allein in Tennessee wurden zwischen Juni und Oktober 1867 25 Morde, 35 Anschläge mit Tötungsabsicht, 83 Anschläge mit Körperverletzung, vier Vergewaltigungen und vier Brandstiftungen gemeldet, die dem Klan zuzurechnen sind; der weiße Lehrer Dunlop, der in Shelbyville an einer Schule für Schwarze unterrichtete, wurde nackt ausgepeitscht und unter Androhung des Scheiterhaufens zum Verlassen Tennessees aufgefordert. In einem Interview von 1868 bezifferte Forrest den Klan auf 550.000 Mitglieder — eine mit Vorsicht zu behandelnde Eigenangabe — und beschrieb ihn als „schützende, politische und militärische“ Gruppierung, die sich vor allem gegen „Carpetbaggers“ und „Scalawags“ richte, die Schmähbegriffe für Weiße, die sich mit der schwarzen Bevölkerung solidarisierten. Als der Terror in blindwütige Gräuel eskalierte — Verbrennungen, Kastrationen, Folterungen, das Aufschlitzen schwangerer Frauen —, distanzierte sich Forrest, der den Klan als ehrenvolle patriotische Organisation darstellen wollte, im Januar 1869 öffentlich und rief zur Auflösung auf. Das führte nicht zum Ende, sondern zur Zersplitterung in lokal agierende Clans; in North und South Carolina, Alabama, Georgia und Louisiana ging der Terror weiter. Zwischen 1866 und 1875 wurden in den USA 3.500 vom Klan ermordete schwarze Menschen gemeldet — im Schnitt rund 30 pro Monat über ein Jahrzehnt. Mit den Ku-Klux-Klan-Acts von 1871, dem Wiedererstarken der Demokraten — damals der Partei der ehemaligen Sklavenhalter — und dem Ende der Reconstruction unter Präsident Hayes lief die erste Phase spätestens 1877 aus. Für die schwarze Bevölkerung bedeutete dieser „Frieden“ nur eine neue Form der Diskriminierung: kein Bürgerstatus, kein Wahlrecht, zweitklassige Schulen, zunehmende Rassentrennung. Der erste Klan verschwand, weil seine politischen Ziele — wenn auch nicht durch seinen Terror — faktisch erreicht waren.

Der zweite Klan (1915 bis 1944). Nach vierzig Jahren Stille lässt sich der Neubeginn genau datieren: auf den Februar 1915, als „The Birth of a Nation“ von David Wark Griffith in die Kinos kam — mit über drei Stunden der längste Film seiner Zeit, basierend auf einem Roman von Thomas Dixon. Der zutiefst rassistische Film, der die schwarze Bevölkerung als triebgesteuert und barbarisch zeichnet, erzählt eine fiktive, verherrlichende Gründungsgeschichte des Klans als Kampf um die weiße Vormachtstellung. Er wurde ein gigantischer Erfolg — allein im ersten Jahr eine Million Zuschauer —, Präsident Woodrow Wilson zeigte sich begeistert, der Präsident des Obersten Gerichtshofs ebenso, der dabei eine frühere Klan-Mitgliedschaft offen zugab. Die realen Gräueltaten der ersten Phase wurden von der glorifizierten Fiktion überspielt; der Klan erschien nun als Einrichtung für Recht und Ordnung.

In dieses Klima hinein vollzog der Methodistenprediger William Joseph Simmons die Neugründung; er berief sich auf eine Kindheitsvision, die ihm die Wiedergründung aufgetragen habe. An Thanksgiving 1915 entzündete er mit einigen Männern — darunter zwei Veteranen des ersten Klans — am Stone Mountain bei Atlanta ein riesiges, in Petroleum getränktes Holzkreuz. Das brennende Kreuz, bis heute das markanteste Zeichen des Klans, tritt hier zum ersten Mal auf: Der erste Klan kannte es nicht. Simmons übernahm es aus Dixons Roman beziehungsweise dem Film; Dixon berief sich auf schottische Mythen — eine Herleitung, mit der auch heutige Gruppen dem Ritual einen altehrwürdigen Ursprung zuschreiben. Eine klare Bestimmung erhielt der neue Klan erst mit dem Kriegseintritt der USA 1917: Nun galt es, „die Nation vor ausländischen Feinden, Nichtsnutzen und unmoralischen Frauen zu beschützen“ — worunter der Klan etwa Prostituierte nahe Militärstützpunkten und ihm nicht patriotisch genug erscheinende Menschen fasste, die er tyrannisierte.

Für die Rekrutierung engagierte Simmons Edward Young Clarke und Elizabeth Tyler, die ein hocheffizientes Pyramidensystem etablierten: Wer ein neues Mitglied warb, erhielt einen Prozentsatz von dessen Aufnahmegebühr, der Rest wanderte die Hierarchie hinauf. In sechzehn Monaten gewannen die beiden 90.000 bis 100.000 neue Mitglieder; der Klan wurde zur Geldmaschine und baute sich zum Wirtschaftsunternehmen aus — mit eigener Zeitung, eigenem Verlag, einer Textilfabrik für Kapuzen und Gewänder und einer Immobiliengesellschaft. Zugleich weitete sich das Feindbild: Der Hass richtete sich nun auch gegen Mexikaner, Asiaten, osteuropäische Juden, südeuropäische Katholiken, griechisch-orthodoxe Christen und Muslime — gegen alles, was nicht in das Leben eines weißen protestantischen Amerikaners zu passen schien. Propagiert wurde ein „100-Prozent-Amerikanismus“. Die Verbindung von Rassismus und Christentum machte den Klan für die weiße protestantische Mittelschicht attraktiv: Tausende Pfarrer gehörten ihm an, ein Klan-Pfarrer predigte, das Erscheinen des Klans sei in der Bibel prophezeit, und es kursierte der Satz, würde Jesus heute leben, wäre er ein Klansmann. Ortsgemeinden dienten als Bühne: Nach Absprache mit dem Pfarrer erschienen Klansmänner im Sonntagsgottesdienst und hinterließen eine Spende, die gesegnet wurde — das Signal, dass der Klan nun auch hier aktiv war. Anhörungen im Kongress zu den wieder ansteigenden Gewalttaten endeten ergebnislos; Simmons argumentierte, man könne nicht eine Organisation für die Taten Einzelner verantwortlich machen.

Simmons, der Organisation nicht gewachsen und dem Alkohol verfallen, wurde 1922 von einem Mann namens Evans abgelöst, unter dem der Klan seinen politischen Höhepunkt erreichte: Hunderte Richter, Sheriffs und Bürgermeister standen ihm nahe, mindestens elf Gouverneure, sechzehn Senatoren und 45 Kongressabgeordnete waren Klansmänner. Frauen gründeten eigene Organisationen wie die Women of the Ku Klux Klan mit zeitweise bis zu 500.000 Mitgliedern. 1925 war mit vier bis sechs Millionen Mitgliedern der Höchststand erreicht — dann folgte der Absturz: Flügelkämpfe, Streit ums Geld, Korruption, Langeweile an der Basis und Skandale, allen voran die Verurteilung des führenden Klan-Funktionärs von Indiana, David Stephenson, wegen Entführung, Vergewaltigung, Folterung und Ermordung seiner Assistentin. Bis 1929 verlor der Klan Millionen Mitglieder, die Wirtschaftskrise beschleunigte den Schwund; um 1930 waren es noch geschätzt 45.000. Politisch wirkte diese Phase dennoch lange nach: In 42 Bundesstaaten galten vom Klan befürwortete Gesetze gegen „Rassenmischung“, und mit dem Johnson-Reed Act von 1924 — zurückgehend auf den klan-nahen Abgeordneten Albert Johnson, der jüdische Einwanderer für „dreckig, unamerikanisch und in ihren Gewohnheiten oft gefährlich“ hielt — wurden Einwanderungsquoten nach rassistischer Systematik festgeschrieben, die bis 1965 in Kraft blieben. In den 1930er Jahren bestanden Verbindungen zu NS-Deutschland; ein deutscher Pfarrer gründete mit der „German Order of the Fiery Cross“ den ersten Ku-Klux-Klan in Deutschland. Das Ende kam aus finanziellen Gründen: 1944 konnte der Klan 685.000 Dollar Steuerschulden nicht begleichen und löste sich auf.

Der dritte Klan (seit den 1950er Jahren): die Klans. Die dritte Phase ist keine Wiedergründung, sondern ein Revival in Gestalt vieler Splittergruppen ohne zentrale Struktur — ein Bild, das bis heute gilt. Es vollzog sich im Kontext der aufkommenden Bürgerrechtsbewegung; Hauptziel war, die schwarze Bevölkerung einzuschüchtern, etwa um sie vom Wählen abzuhalten, mit brutaler Gewalt bis hin zu Lynchmorden. Die damals größte Gruppe waren die White Knights of the Ku Klux Klan in Mississippi unter Samuel Bowers; die United Klans of America brachten es Mitte der 1960er auf rund 30.000 aktive Mitglieder — Anfang der 1970er unter 5.000 — und verübten mehrere Morde und Bombenanschläge. Bekanntheit erlangten auch die Knights of the Ku Klux Klan unter David Duke, der sich 1992 erfolglos in den republikanischen Vorwahlen um die Präsidentschaftskandidatur bewarb und später der Präsidentschaft Donald Trumps applaudierte. Das FBI infiltrierte mehrere Gruppen und klärte so Verbrechen auch an führenden Persönlichkeiten der Bürgerrechtsbewegung auf. Heute ist die Landschaft zersplittert und in ständigem Wandel; viele Gruppen kooperieren mit Neonazi- und White-Supremacy-Zusammenschlüssen. Das Southern Poverty Law Center listet 17 Klan-Gruppen in den USA, die Anti-Defamation League sprach 2016 von rund 30 meist sehr kleinen Gruppen bei konstant sinkenden Mitgliederzahlen — geschätzt rund 3.000 Mitglieder (ADL) beziehungsweise 8.000–10.000 Anhänger (SPLC). Dass die Gewalt nicht Vergangenheit ist, zeigen zwei Fälle: 2014 erschoss ein Rassist aus einer Klan-Gruppe aus Carolina in einem jüdischen Gemeindezentrum drei Menschen; 2015 tötete ein 21-Jähriger in Charleston während einer Bibelstunde neun schwarze Gemeindeglieder und schrieb in seinem Manifest, es gebe in Charleston „keinen echten Ku-Klux-Klan“, alle würden nur reden, er habe gehandelt.

Der Ku-Klux-Klan in Deutschland. Seit den 1920er Jahren findet der Klan auch in Deutschland immer wieder Anhänger — teils inspiriert vom US-Vorbild, teils gegründet oder angeleitet von hier stationierten US-Soldaten. Die Gruppen agieren im Untergrund als Teil der Neonazi-Szene, umfassen oft nur wenige Dutzend Personen und sind häufig kurzlebig; seriöse Anhängerzahlen lassen sich nicht nennen. Der Bundesregierung waren zuletzt vier Gruppierungen bekannt, darunter die European White Knights of the Burning Cross und die Teutonischen Ritter des Ku-Klux-Klan in Deutschland, Distrikt Nordrhein-Westfalen; Letztere firmierten zugleich als „Deutscher Kampfkunst Klub“ — ebenfalls KKK — und warben mit „effektiver Selbstverteidigung, realistisch auf den Ernstfall abgestimmt“: der Anstrich eines Sportvereins über einer gewaltbereiten Neonazi-Gruppe. 2009/10 durchsuchte die Polizei in acht Bundesländern Wohnungen mutmaßlicher Mitglieder der National Socialist Knights of the Ku Klux Klan; 17 Personen zwischen 17 und 59 Jahren wurden der Mitgliedschaft beschuldigt, mehr als 100 Waffen sichergestellt, darunter Schreckschusspistolen, Schwerter, Macheten und Teleskopschlagstöcke. Auch Gewalttaten mit Klan-Bezug sind dokumentiert: 1992 entging in Brandenburg ein in Nigeria geborener Lehrer nur knapp einem Mob, der sich mit „KKK“-Rufen aufputschte; kurz darauf prügelte in Berlin ein Klansmann einen Obdachlosen tot. Fotos zeigen die NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe bei einer Klan-Kreuzverbrennung 1995 in einem Waldstück bei Jena im Umfeld der Kameradschaft Jena. Zwei baden-württembergische Polizisten gehörten den European White Knights an, gegründet vom NPD-Aktivisten Achim Schmid — was erst ein Jahrzehnt später öffentlich wurde; diskutiert wird eine mögliche Verbindung des Klans zum Mordanschlag auf die Polizistin Michèle Kiesewetter und ihren Streifenpartner in Heilbronn. Hinzu kommen Kreuzverbrennungen, etwa an einem Baggersee im oberfränkischen Viereth-Trunstadt und vor einer Flüchtlingsunterkunft in Landsberg. Bemerkenswert: Der christlich-ideologische Überbau der Christian Identity spielt bei den deutschen Gruppen im Prinzip keine Rolle — der Klan in Deutschland besteht aus gewaltbereiten neonazistischen Rassisten und steht im Fokus des Verfassungsschutzes.

Lehre und Glaubenssätze

Ein einheitliches Bekenntnis aller Klan-Gruppen gibt es nicht; geeint sind sie allein durch ein zutiefst rassistisches Weltbild. In vielen — nicht allen — US-amerikanischen Gruppen findet sich jedoch ein christlicher Überbau, der einer Strömung namens Christian Identity („christliche Identität“, CI) zuzuordnen ist.

Deren Wurzeln liegen im Großbritannien des 19. Jahrhunderts: Ein kleiner elitärer Kreis vertrat den sogenannten Britisch- oder Anglo-Israelismus — die Vorstellung, die modernen Europäer seien biologische Nachfahren des alten Volkes Israel, konkret der durch die assyrischen und babylonischen Invasionen zerstreuten „verlorenen Stämme“, die ihren Weg nach Europa gefunden und dort die modernen Nationen begründet hätten. Das Motiv der Konstruktion liegt auf der Hand: sich selbst in den Status des Gottesvolkes zu erheben. Belege gibt es keine — weder biblische noch sprachwissenschaftliche, historische oder archäologische. Der Politikwissenschaftler Michael Barkun schätzt, dass der Britisch-Israelismus auf seinem Höhepunkt in den 1920er Jahren rund 5.000 Anhänger hatte; eine politische Agenda verfolgten sie nicht, und in der ursprünglichen Version galt das Judentum sogar als die direkte, legitime Nachfolge Israels — kritisch beäugt vielleicht, aber nicht als Feind.

Im späteren 19. Jahrhundert gelangte die Ideologie in die USA, wo sie auf die verbreitete Überzeugung traf, Amerika spiele in Gottes Augen eine auserwählte Rolle. In den 1930er Jahren drangen antisemitische Züge ein: Nun hieß es, die Juden seien gar keine Nachkommen Israels, sondern stammten von den Chasaren ab, einem zentralasiatischen Volk, das im frühen 8./9. Jahrhundert das Judentum annahm; die heutigen Juden seien „falsche Israeliten“, die in böser Absicht verschleierten, dass in Wahrheit die weißen Europäer das wahre Gottesvolk seien. Zu den einflussreichen Verbreitern gehörte William Cameron, Chefredakteur des Dearborn Independent, der Wochenzeitung des Automobilmagnaten Henry Ford — jener Zeitung, die die antisemitische Fälschung der „Protokolle der Weisen von Zion“ weltweit populär machen half. Diese rassistisch-antisemitische Variante verbreitete sich zunehmend unter dem Namen Christian Identity. Ihr Chefideologe wurde Wesley Swift (1913–1970), ein methodistischer Geistlicher aus Südkalifornien, der in den 1940er Jahren die Church of Jesus Christ Christian gründete und in rechtsextremen Kreisen — auch im Klan — bestens vernetzt war.

Ein festes Lehrgebäude hat die Christian Identity nie entwickelt; sie ist eine lose Bewegung mit einigen Grunddogmen. Im Zentrum steht die Behauptung, die weißen Europäer seien die legitimen Nachfahren des biblischen Israel — ihre wahre „Identität“. Der extremste antisemitische Ausdruck ist die von Swift und seinen Anhängern in den 1960er Jahren entwickelte Zwei-Samen-Lehre: Die Verführung Evas durch die Schlange sei ein Sexualakt gewesen, Kain das Kind Evas und des mit der Schlange gleichgesetzten Satans — und zugleich Stammvater des Judentums. Alle Juden seien demnach wörtlich Nachkommen des Teufels; die andere Linie laufe über den legitim mit Adam gezeugten Abel zu den weißen Europäern. Nicht alle CI-Anhänger folgen dieser Lehre, weniger antisemitisch sind sie deshalb in aller Regel nicht. Viele glauben zudem an Prä-Adamiten: Adam und Eva seien nicht die ersten Menschen gewesen, sondern die ersten, die Gott in seinem Bilde schuf; frühere Kreaturen ohne Seele und Gottebenbildlichkeit seien die Vorfahren der Nichtweißen. Damit wird allen, die keine weißen Europäer sind, die Gottebenbildlichkeit abgesprochen — und in diesem Weltbild letztlich das volle Menschsein.

Hinzu kommt eine zugespitzte Endzeitlehre. Wie viele christliche Gruppen erwartet die Christian Identity die Wiederkehr Jesu, allerdings in der posttribulationistischen Variante: Erst kommt die Zeit der Trübsal, dann kehrt Jesus wieder — und man lebt bereits in dieser anbrechenden Endzeit, im Endkampf zwischen Gott und Satan. In der CI-Ideologie ist dieser Endkampf ein Kampf der Rassen: Auf Satans Seite dessen vermeintliche Abkömmlinge, auf Gottes Seite die weißen Europäer. Daraus folgt eine grundsätzliche Kampfverpflichtung — und ein tiefes Misstrauen gegen alle staatlichen Institutionen, denn wer den nahen Zusammenbruch erwartet, fühlt sich allein Gottes Gesetz verpflichtet. Durchzogen ist das Ganze von Verschwörungsmythen, allen voran dem einer jüdischen Weltregierung; viele CI-Gruppen leben entsprechend abgeschottet in isolierten Gemeinschaften, etwa in einer Siedlung im Osten Oklahomas.

Ab den 1960er Jahren verbreitete sich die Ideologie in teils paramilitärische Gruppen des extrem rechten Spektrums — etwa die Christian Defense League, die California Rangers und die New Christian Crusade Church. Swifts Kirche führte Richard Butler weiter, der 1974 nach Idaho ging und sie als Neonazi-Gruppe Aryan Nations wiederbelebte — in den 1970er und 1980er Jahren das Bindeglied zwischen Neonazi-Szene und Christian Identity. So übernahmen auch ursprünglich nicht christlich geprägte Gruppen wie die rassistische Skinhead-Szene der Hammerskins CI-Gedankengut: ein rassistisches Weltbild mit christlich begründetem Überbau. Am stärksten verbreitet ist die Bewegung im Nordwesten und Mittleren Westen der USA; daneben existieren Gruppen in Kanada, Irland, Großbritannien, Australien und Südafrika. Für Nordamerika werden 25.000 bis 50.000 Anhänger geschätzt, das Southern Poverty Law Center setzt mit rund 25.000 am unteren Ende an.

Eigenheiten und Praxis

Von Beginn an prägte den Klan die Ästhetik des Geheimbundes: Masken und weiße Gewänder, eine eigene Titelhierarchie vom Grand Wizard bis zum „Ghoul“, Schweigepflicht, die Selbstbezeichnung „Invisible Empire“; die Bezeichnung „Realm“ für die Gliederung eines Bundesstaates ist bis heute in Gebrauch. Zentrales Ritual ist seit 1915 das brennende Kreuz. Heutige Gruppen legen Wert auf die Sprachregelung, das Kreuz werde nicht „verbrannt“ (cross burning), sondern „erleuchtet“ (lighting of the cross) — als Ehrerbietung. Die Supreme Knights of the Ku Klux Klan erklären auf ihrer Webseite, man ehre das Kreuz als Symbol des christlichen Glaubens und erleuchte es, „weil wir wissen: Jesus Christus ist das Licht der Welt“, das Ignoranz und Aberglauben vertreibe; die Verwendung des Kreuzes zur Einschüchterung sei „Missbrauch“. Zugleich deutet dieselbe Gruppe das erleuchtete Kreuz als „Warnsignal für alle Menschen für das drohende Desaster, das unserer Nation bevorsteht, wenn sie den aktuellen Weg ohne Gott beibehält“, will „vor den Gefahren der Rassenvermischung warnen“ und die eigene „Rasse“ auf die Zeit vorbereiten, in der sich „die Regierung dieser Nation wie ein tollwütiger Hund auf die Menschen stürzt“. Die fromme Kreuzestheologie ist also unmittelbar mit dem Rassenhass verwoben; das Selbstverständnis lautet: „Unser Ziel ist einfach, aber stark: den weißen christlichen Amerikaner und seine Ideale zu bewahren.“

Die Mitgliedschaftsbedingungen machen den rassistischen Kern explizit. Die Great Lakes Knights of the Ku Klux Klan formulieren: „Mitglied kann jedes weiße arische Individuum werden, das stolz auf sein Erbe ist und bereit dazu, für die Erhaltung seiner Rasse zu kämpfen. Ein Mitglied muss mindestens 18 Jahre alt sein, heterosexuell, gegen die Vermischung der Rassen eintreten und einen ehrlichen, moralischen Charakter aufweisen.“ Andere Gruppen lehnen Gewalt zumindest auf ihren Webseiten ab und stellen das gemeinsame Praktizieren ihrer Ideologie in den Vordergrund; was dahintersteht, lässt sich von außen nicht beurteilen. Ökonomisch war der Klan in seiner zweiten Phase ein durchorganisiertes Geschäftsmodell aus Pyramiden-Mitgliederwerbung, Verlagswesen, Textilproduktion und Immobilien.

Zur Praxis gehört schließlich der Umgang mit Aussteigern. Er entspricht dem Muster anderer Neonazi-Gruppen: Aussteiger gelten als Verräter, werden bedroht und begeben sich angesichts der Gewaltbereitschaft der Szene nicht selten in Lebensgefahr. Bei Gruppen mit CI-Prägung kommt die ideologische Dimension hinzu: Wer aussteigt, klinkt sich aus dem endzeitlichen Rassenkampf aus und stärkt damit — in der Logik des Weltbildes — den Satan. Manche Aussteiger engagieren sich später in der Aufklärungsarbeit gegen den Klan und setzen sich damit erst recht Gefahren aus. Auffällig ist ein wiederkehrendes Muster in Berichten Ehemaliger: Ausnahmslos war es die persönliche Begegnung mit schwarzen Menschen, die das Weltbild ins Wanken brachte — ein Hinweis darauf, dass Vorurteile vor allem dort gedeihen, wo Begegnung fehlt, und dass deren Ermöglichung das wirksamste Mittel gegen solchen Hass ist.

Kritische Einordnung

Der Ku-Klux-Klan ist der Sonderfall einer Gruppe, bei der Gewalt nicht Vorwurf, sondern dokumentierter Kern ist: für die erste Phase Terror und Morde in großer Zahl, für die zweite die Verquickung von Massenbewegung, Geschäftsmodell und politischer Einflussnahme bis in Parlamente und Justiz, für die dritte Morde, Bombenanschläge und Attentate bis in die jüngere Vergangenheit — einschließlich der deutschen Ableger mit ihren Verbindungen ins NSU-Umfeld. Dabei ist sauber zu trennen: Die Opferzahlen, Verurteilungen und Anschläge sind belegt; die Mitgliederzahlen des Klans selbst — von Forrests 550.000 bis zu den Millionenangaben der 1920er Jahre — sind Eigenangaben einer an Größe interessierten Organisation; die heutigen Zahlen sind erheblich divergierende Schätzungen von Beobachtungsorganisationen. Auch die deklarierte Gewaltfreiheit einzelner heutiger Gruppen ist Selbstdarstellung: Eine Ideologie, die systematisch Hass predigt, legitimiert Gewalt und birgt Gewaltpotenzial — unabhängig davon, was auf der Webseite steht. Der Attentäter von Charleston, der den existierenden Klan-Gruppen vorwarf, „nur zu reden“, zeigt, dass sich die Gewaltwirkung solcher Ideologien nicht auf formale Mitgliedschaften begrenzen lässt.

Klassische Kriterien der Sektenanalyse treffen den Klan je nach Phase unterschiedlich. Autoritätskonzentration war in den ersten beiden Phasen extrem — Verfassung, strenge Hierarchie, Geheimhaltungsgebot, ein Oberbefehlshaber über ein „unsichtbares Imperium“ —, während die heutige Szene gerade durch das Fehlen jeder Zentralstruktur gekennzeichnet ist. Finanzielle Vereinnahmung ist für die zweite Phase massiv belegt; das Pyramidensystem machte den Klan zur Bereicherungsmaschine, deren Korruption zu seinem Niedergang beitrug. Der Umgang mit Austritt folgt dem Muster gewaltbereiter extremistischer Szenen: Verräterstigma, Drohung, Lebensgefahr.

Die weltanschauungskundliche Pointe liegt im Christian-Identity-Überbau, und zwar in zwei strukturellen Befunden, die über den rassistischen Inhalt hinausgehen. Erstens erzeugt die Endzeitlehre, die die Gegenwart zum apokalyptischen Endkampf erklärt, enormen Druck, sich auf der „richtigen“ Seite einzusetzen — ein aus anderen religiösen Bewegungen bekannter Mechanismus. Während dieser Endkampf dort aber meist als geistiger Kampf verstanden wird, deutet die Christian Identity ihn als physischen Rassenkampf; damit wird aus einem psychisch belastenden ein gesellschaftlich gefährliches Konzept. Zweitens kennt die CI-Ideologie einen Exklusivismus eigener Art: Gewöhnlicher religiöser Exklusivismus ist Erkenntnis-Exklusivismus — die Elite definiert sich über einen Glauben, den prinzipiell jeder annehmen kann, weshalb Mission möglich ist. Der Exklusivismus der Christian Identity ist dagegen rassistisch begründet: Zugehörigkeit beruht auf unveränderlichen biologischen Merkmalen, ein Hineinkommen ist prinzipiell unmöglich. Der Elitegedanke, ohnehin ein Kennzeichen problematischer Gruppen, ist hier ins Absolute gesteigert — bis zur Absprache der Gottebenbildlichkeit und damit des vollen Menschseins aller Nichtweißen.

Um der Ausgewogenheit willen ist zu benennen, was sich zugunsten der heutigen Klan-Landschaft sagen lässt: wenig. Die Mitgliederzahlen sind klein und rückläufig, die große Mehrheit der Mitglieder begeht keine Gewalttaten, einzelne Gruppen distanzieren sich erklärtermaßen von Gewalt; formal teilen die Gruppen mit legitimen religiösen Gemeinschaften Elemente wie Gemeinschaftsbildung, Rituale und die Berufung auf christliche Symbole. Das relativiert die gesellschaftliche Reichweite, nicht aber den Befund: Der geteilte ideologische Kern — Rassenhass, gegebenenfalls religiös überhöht — ist keine legitime religiöse Praxis, sondern deren Vereinnahmung.

Fazit

Der Ku-Klux-Klan ist keine religiöse Gemeinschaft, sondern eine rassistische Terror- und Einschüchterungsbewegung mit wechselnden Organisationsformen, die in vielen heutigen US-amerikanischen Ausprägungen durch die Christian-Identity-Ideologie religiös aufgeladen ist. Die Frage, ob es sich um eine „Sekte“ handelt, greift deshalb zu kurz; sinnvoll ist sie nur im Blick auf sektenhafte Strukturmerkmale — und die sind vorhanden: strenge Hierarchien in den historischen Phasen, exklusive Weltsicht, Verteufelung von Aussteigern, Geheimbund-Charakter. Was den Klan von den meisten anderen problematischen religiösen und weltanschaulichen Gruppen unterscheidet, ist die explizite Rolle physischer Gewalt: Wo andernorts vor allem psychische Mechanismen wirken, ist hier der Kampf wörtlich gemeint. Die Christian-Identity-Theologie verschärft das, weil sie den Rassenhass in einen apokalyptischen Endkampf einbettet und den Exklusivismus biologisch unhintergehbar macht. Gefährlich ist diese Konstellation weniger für einzelne Mitglieder und ihr Umfeld als für die Gesellschaft insgesamt, weshalb ihre fortlaufende Beobachtung — in den USA wie in Deutschland — geboten ist. In der Gesamtschau steht der Klan außerhalb des Spektrums zwischen etablierter religiöser Gemeinschaft und neureligiöser Bewegung: Er ist eine rechtsextreme, konfliktträchtige und gewaltaffine Bewegung, deren religiöse Elemente nicht Ausgangspunkt, sondern Legitimationsinstrument des Rassismus sind.

Stand August 2026 — Text von Secta.fm